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Studienreise in Albanien |
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Von der Ferne zur Nähe. Albanien-Südtirol. Über die Studienfahrt vom 25. – 30. April 2010
05.05.2010 Manchmal kommen wir über eine fremde Kultur zur eigenen, über die Beobachtung von Situationen anderer zur Herausforderung, die eigene zu verbessern. So hatte auch die Albanienfahrt der beiden Ämter für Jugendarbeit – neben dem Kennenlernen der Heimat unserer stärksten Einwanderergruppe - das Ziel, die interkulturelle Arbeit zwischen den drei Sprachgruppen in Südtirol zu fördern.
Wir haben sehr schöne Seiten eines Volkes kennen gelernt, dem wir in Südtirol mit vielen Vorurteilen und Skepsis entgegen treten. Wir sind aber auch innerhalb unserer Gruppe über unsere Schatten und Sprachgrenzen gesprungen. Erst ab einem gewissen Niveau ist nämlich Verständigung von guten Sprachkenntnissen abhängig. Was nützt eine perfekte Sprache, wenn ich dich nicht verstehen will? Wenn der andere nicht genau hinhört? Verstanden fühlen wir uns erst, wenn uns Herzlichkeit und Interesse entgegen gebracht wird.
Dies bieten die AlbanerInnen überall großzügig an, zusammen mit weiteren erfreulichen Eigenschaften, die wir an ihnen meist nicht wahrnehmen. Freundlichkeit, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Bildung und Kultur sind alte Werte, auf die sie stolz sind und auch sein sollten. Die Menschen, die uns auf der Fahrt zu Einrichtungen in halb Albanien begleitet haben, haben diese Eigenschaften voll verkörpert und leiden unter dem einseitigen Bild, das in Südtirol zu den albanischen EinwandererInnen vorherrscht. Sie wissen um ihre Stärken, zugleich um den Wertewandel, der seit den 90er Jahren erfolgt. In der kommunistischen Diktatur waren Sauberkeit, Pünktlichkeit, Wiederverwertung und Einsatz für die Allgemeinheit Pflicht und wurden streng kontrolliert. Nach der Revolution und in einem rechtsfreien Raum schwand das Interesse für das Allgemeinwohl und die Bedeutung von Ehrenamt. Zu lange konnten Albaner im italienischen Fernsehen verfolgen, welche Werte zu Erfolg führen und was als Freiheit interpretiert wird. Verständlich, dass viele nun einen neuen Lebensstil anstreben und dabei auch manchen alten Wert vergessen.
Ein Drittel der AlbanerInnen hat ihr ressourcenreiches Land verlassen, weil sie dort keine Perspektiven für sich erkennen konnten. Viele von ihnen leben bei uns zwischen Sehnsucht, Hoffnung und Verzweiflung; ihre Fähigkeiten, Eigenschaften und Entwicklungsmöglichkeiten werden meist nicht erkannt. Sie sind Spielbälle der Politik, der Wirtschaft und manche auch von Kriminellen.
Wir müssen uns fragen, wie wir diese Menschen darin begleiten können, ihr Bestes zu zeigen und zu geben.
In einem Seminar stellte vor ein paar Wochen eine deutsch-türkische Referentin erstaunt fest, dass wir in Südtirol noch am Anfang einer interkulturellen Arbeit stehen – nämlich zwischen den seit über 80 Jahren hier heimischen Sprachgruppen!
Es wäre absurd, wenn sich die Ämter für Jugendarbeit getrennt mit dem Thema beschäftigen und das eigene interkulturelle Potenzial vernachlässigen würden. Wir wollen den nun eingeschlagenen Weg weiter verfolgen und haben mit den TeilnehmerInnen bereits Nachtreffen vereinbart. Denn JugendarbeiterInnen der verschiedenen Sprachgruppen sollten, gemeinsam mit KollegInnen mit Migrationshintergrund, eine interkulturelle Kompetenz entwickeln, die sie befähigt, Kinder und Jugendliche unterschiedlichster Kulturen zu begleiten.
Ich vermute, dass diese Fahrt auch deshalb so ein Erfolg war, weil alle TeilnehmerInnen empfänglich waren für die – kulturellen oder doch persönlichen? – Eigenheiten der KollegInnen und deshalb einen Riesenspaß miteinander hatten.
FALE MINDERIT – Danke, Ana Agolli, für die Organisation und professionelle Begleitung! Wir haben nun Lust bekommen, auch die Vielfalt von Albaniens Süden zu entdecken.
Gerda Gius
Durchgeführtes Programm
20 TeilnehmerInnen aus der deutschen, italienischen und ladinischen Jugendarbeit hatten sich zum Teil erstmals beim Info-Tag zu Albanien gesehen. Sie starteten am 25. April nach Tirana, wo sie VertreterInnen von verschiedenen Anlaufstellen für Kinder (Kinderallianz), Jugendliche und Frauen begegneten. Am nächsten Tag fuhren sie 7 Stunden über die einzige Verbindungsstraße in die nördliche Stadt Kukes an der Grenze zu Kosovo. 160 km über kurvige Bergstraßen, da die neue Autobahn durch einen eingebrochenen Tunnel geschlossen war. Eine Gelegenheit, das reizvolle aber umweltgefährdete und sehr einsame Gebiet, aus der die meisten unserer albanischen Migrantenjugendlichen stammen, zu sehen und von deren Traditionen und Werten zu erfahren. Ein Treffen mit dem Bürgermeister von Kukes und mit Uni-StudentInnen zum Thema Zukunft endete um 8 Uhr abends, als die Mädchen nach Hause zurückkehren mussten. Am 3. Tag besuchten die JugendarbeiterInnen eine Tageseinrichtung für behinderte Kinder und machten einen Abstecher zum stillgelegten Flughafen und den ehemaligen Flüchtlingscamps der Kosovo-Albaner. Auf der Rückfahrt Richtung Durres war ein Besuch im Volkskundemuseum von Kruja und im Bazar der Bektaschi, Angehörigen einer sunnitischen Sekte, möglich, wo Produkte alter Handarbeit bewundert oder gekauft werden konnten. Die Übernachtung erfolgte in Durres, dem Hafen, von wo die ersten dramatischen Auswanderungen nach Italien erfolgten, und wo 3 Behördenvertreter des Hafens die vielen Fragen zum Thema Auswanderung geduldig beantworteten. Die nächste Etappe war Vlora südlich von Tirana, eine touristische Meeresstadt mit ungebremster Bautätigkeit, von wo ebenfalls viele mit dem Schiff migrierten. Hier besuchten die TeilnehmerInnen eine Universität und eine Oberschule für Tourismus, Hotelerie und Wirtschaft und konnten die Mängel der öffentlichen Schulbildung kennenlernen. Ein Treffen mit VertreterInnen eines der beiden noch funktionierenden Jugendzentren von Albanien rundete die Eindrücke über die Jugendpolitik ab und machte sehr betroffen. Den letzten Abend verbrachten die JugendarbeiterInnen wieder in Tirana, wo sie zum letzten Mal das Nachtleben der albanischen Jugendlichen kennenlernen konnten, während sie den letzten Morgen zum Besuch einer Privatschule (von 6 – 15 J. ) nutzten.
Im Juni werden die TeilnehmerInnen eine Präsentation der Studienfahrt für alle interessierten KollegInnen aus der Jugendarbeit veranstalten. Einladung folgt!
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